Interview #3: Von welchem Spiel erzählst du gern, Detlef Zimmermann?

Wir haben uns mit ein paar unserer erfahrenen Schiedsrichter-Kollegen geschnappt und ihnen ein paar Fragen gestellt. Vom schönsten Spiel der Laufbahn bis hin zum Abschneiden der DFB-Elf bei der EM streift ÖMi Philipp Romahn mit den Interviewten Themen rund um Pfeife und Fußball.

Detlef Zimmermann ist gebürtig aus Ostdeutschland und hat dort schon einiges erlebt. Im Gespräch erzählt er, warum sein Vater ihn mehr oder weniger zum Schiri machte, wo Deutschland bei der EM landet und was ihn außer Fußball noch begeistert.

Philipp Romahn: Seit wie viel Jahren bist du nun Schiedsrichter?

Detlef Zimmermann: Am 01. Mai 1981, also vor 40 Jahren, habe ich meinen Schein in Quedlinburg gemacht. Nach Rheine bin ich wegen meiner Arbeit gekommen.

Weißt du ungefähr, wie viele Spiele du in der Zeit gepfiffen hast?

Nach meinen Aufzeichnungen müssten das ca. 2500 Spiele sein.

Wir alle machen ja hin und wieder Fehler. Bei welchem hattest du mal im Nachgang richtig Bauchschmerzen?

Zweifel hat man ja immer wieder mal (überlegt kurz). Eine Sache fällt mir aber ein. Es muss ein, zwei Jahre nach meinem Anfang gewesen sein, als ich mal ein Jugendspiel hatte. Da gab es außerhalb des Innenraums eine heftige Keilerei zwischen den Auswechselspielern. Ich bin damals in einer Unterbrechung rausgegangen, um zu schlichten bzw. um die Leute auseinanderzuhalten. Das war natürlich nicht ganz korrekt von mir. Der Vorfall hallte ein paar Tage nach, auch, wenn ich da nicht attackiert wurde.

Wieder hin zum Positiven: Welche schöne Erinnerung aus deiner Laufbahn erzählst du gerne anderen Menschen?

1988 durfte ich ein Freundschaftsspiel zwischen Stahl Thale und Dynamo Dresden leiten, wo fast 4500 Zuschauer*innen waren. Das war ein richtig tolles Erlebnis, auch, weil Dynamo mit seinen großen Stars wie Klaus Sammer da war.

Jede*r Schiedsrichter*in hat eigene Werte und eine eigene Art zu pfeifen. Wie bleibt man sich am besten treu?

Gute Frage… Ich glaube, dass ein guter Weg der gegenseitige Respekt ist. Kommt der vom Gegenüber aber nicht, sollte man versuchen cool zu bleiben, ganz bei sich und seiner Linie. Man entwickelt mit den Jahren da das nötige Fingerspitzengefühl. Am Ende sollte man menschlich bleiben und nicht wie ein harter Richter wirken.

Welche Schiedsrichter*innen dienten dir als Vorbild und welche findest du heute gut?

Den kennt vermutlich keiner hier: Gerald Pöschel. Ein sehr netter, aber auch konsequenter Schiri in meinem Heimatkreis damals. Wegen dem bin ich auch Schiedsrichter geworden. In einem Spiel trug ich das Trikot aus der Hose – heute ja völlig wurscht, damals gab es dafür noch Gelb. Blöderweise war Gerald ein Arbeitskollege von meinem Vater und erzählte ihm von der Karte und meinem Versuch, mit ihm darüber zu diskutieren. Daraufhin meinte mein Vater zu mir, dass ich jetzt den Schein machen solle, sonst darf ich nicht mehr kicken. Gesagt, getan. Und daraus ist dann eine 40-jährige Laufbahn geworden.

Über die Jahre hat sich im Fußball viel verändert. Auch das Regelwerk wurde immer wieder angepasst. Wenn du eine Regel anders gestalten dürftest, welche wäre das?

(lacht) Eine Sache hätte ich, die mir schon seit Jahren gegen den Strich geht: die Ausführung des Strafstoßes. Wenn man sich anschaut, wie die meisten Spieler da tippeln, abbremsen, wieder anlaufen und dann schießen, frag ich mich, warum das sein muss. Ich fände es besser, wenn man einfach in einem Bewegungsablauf anläuft und schießt.

Welche Sache außer das Pfeifen begeistert dich noch im Leben?

Die Minnesota Wikings verfolge ich sehr genau und sammle auch alles, was ich über und von denen bekommen kann. American Football erfreut sich ja immer größerer Begeisterung in Deutschland und das völlig zurecht. Ein sehr interessanter Sport, den ich jedem empfehlen kann!

Hast du einen guten Ratschlag, den du jungen Kolleg*innen mit auf den Weg geben würdest?

Mut haben! Auch wenn das jetzt sehr abgegriffen klingt, aber das brauchst du eben als Schiedsrichter. Ganz viel geht über die Kommunikation und hier sollte jeder ausprobieren, was für ihn stimmig ist, was passt und was nicht. Das ist ein Lernprozess, der in den ersten Jahren sehr intensiv ist.

Kommen wir zu anderen Themen. Es ist einiges los im Fußball. Aktuell wird viel über die Altersgrenze für Schiedsrichter*innen in Profiligen diskutiert. Auch im Amateurbereich gibt es sie. Wie stehst du dazu?

Qualität darf nicht durch eine Altersgrenze gestoppt werden. Wenn jemand die Leistungen bringt, dann sollte er auch weitermachen dürfen.

Gerade ist ja der Posten der DFB-Präsidentschaft frei. Es wird heiß über die Nachfolge von Fritz Keller spekuliert. Was muss der neue Präsident/die neue Präsidentin mitbringen, um den DFB wieder zu stabilisieren?

Der DFB sollte die Gesellschaft widerspiegeln, das erstmal grundsätzlich. Das vermisse ich an vielen Stellen. Der oder die neue Präsident*in brauch eine starke Persönlichkeit und gleichzeitig Bescheidenheit, denn ich glaube nicht, dass jemand angemessen ist, der sich profilieren will. Ich wünsche mir auch, dass der DFB auch den Amateursport wieder viel mehr ins Blickfeld nimmt, aber das ist eine andere Geschichte.

Zum Ende noch dein ganz persönlicher Blick auf die EM. Wie geht sie aus und wo landet Deutschland?

Bei der Gruppe: Aus in der Vorrunde. Ich sehe da keine Chance nach den letzten Vorstellungen. Gewinnen wird England, da die eine sehr interessante Mischung aus Jung und Alt haben.

Bitte beende den folgenden Satz: Schiedsrichter sein heißt für mich…

…mich jede Woche weiterzuentwickeln und neue Gesichter kennenlernen zu dürfen.