Interview #4: Wer war dir ein Vorbild, Werner Monser?

Wir haben uns mit ein paar unserer erfahrenen Schiedsrichter-Kollegen geschnappt und ihnen ein paar Fragen gestellt. Vom schönsten Spiel der Laufbahn bis hin zum Abschneiden der DFB-Elf bei der EM streift ÖMi Philipp Romahn mit den Interviewten Themen rund um Pfeife und Fußball.

Werner Monser hat in 35 Jahren Schiedsrichterei einiges erlebt. Auf den Fußballplätzen des Kreises nennen ihn alle nur „Onkel Werner“. Lange Zeit war er in den höheren Verbandsklassen unterwegs – heute ist er in der B- und C-Liga ein gern gesehener Schiri.

Philipp Romahn: Seit wie viel Jahren bist du nun Schiedsrichter?

Werner Monser: 37 Jahre sind es mittlerweile.

Weißt du ungefähr, wie viele Spiele du in der Zeit gepfiffen hast?

Es müssten um die 1200 sein, wenn mich nicht alles täuscht. Mit ca. 30 Spielen pro Saison haut das hin.

Wir alle machen ja hin und wieder Fehler. Bei welchem hattest du mal im Nachgang richtig Bauchschmerzen?

Ja, eine Szene aus meiner Assistentenzeit in der Verbandsliga ist mir noch sehr präsent: Ich stand in Rhade an der Linie, es kommt ein langer Flankenball in den Sechzehner, wo der Stürmer das Leder per Kopf verlängert. In dem Moment stand er im Abseits. Der andere Stürmer vollendet die Vorlage zum Tor. Warum auch immer bekam ich meinen Arm nicht in die Höhe, obwohl ich das hätte tun müssen. So zählte der Treffer.

Wieder hin zum Positiven: Welche schöne Erinnerung aus deiner Laufbahn erzählst du gerne anderen Menschen?

Es gibt viele schöne Erinnerungen. Eine ist an ein Landesligaspiel in Ahaus vor über 1200 Zuschauenden. Ahaus führte mit 4:1 zur Pause. Trotzdem verloren sie am Ende mit 4:5 gegen Vreden. Da war ordentlich Betrieb auf dem Platz – ein munteres Spiel mit zwei ganz unterschiedlichen Halbzeiten.

Jede*r Schiedsrichter*in hat eigene Werte und eine eigene Art zu pfeifen. Wie bleibt man sich am besten treu?

Wenn man seine Routine entwickelt hat, ist das schonmal viel wert. Man sollte zudem auch mit den Mannschaften kommunizieren und sich nicht überheblich geben, das funktioniert nicht.

Welche Schiedsrichter*innen dienten dir als Vorbild und welche findest du heute gut?

Da ich bei Christian Schräer damals viel mit an der Linie war, konnte ich mir da entsprechend einiges abschauen. Aber auch Leute wie Markus Merk und Manuel Gräfe haben mir imponiert. Sie haben eine sehr menschliche Art beim Pfeifen gehabt, viel kommuniziert. Das ist auch definitiv meine Art. (lacht)

Über die Jahre hat sich im Fußball viel verändert. Auch das Regelwerk wurde immer wieder angepasst. Wenn du eine Regel anders gestalten dürftest, welche wäre das? (Bitte ausführen)

Die Handspielregel. Da weiß doch mittlerweile keiner mehr, was abgeht. Bei den Profis mag das mit VAR noch alles irgendwo Sinn ergeben, aber wir an der Basis müssen das ja auch 1:1 so umsetzen, und das dient der Sache weniger, als es sollte. Da braucht es wieder klarere Vorgaben.

Welche Sache außer das Pfeifen begeistert dich noch im Leben?

Bei Gartenarbeit und Holz hacken kann ich super abschalten. Das ist dann der Ausgleich zum Pfeifen. (schmunzelt)

Hast du einen guten Ratschlag, den du jungen Kolleg*innen mit auf den Weg geben würdest?

Vorbereitung ist alles. Man sollte jedes Spiel mit seiner persönlichen Routine angehen und auch die vermeintlich „klaren Dinger“ ernstnehmen. Fokus ist also ungemein wichtig. Hat man den nicht, geht der Schuss gerne mal nach hinten los.

Es ist einiges los im Fußball. Aktuell wird viel über die Altersgrenze für Schiedsrichter*innen in Profiligen diskutiert. Auch im Amateurbereich gibt es sie. Wie stehst du dazu?

Definitiv sinnvoll. Man muss ja auch mal an den Nachwuchs denken. Wenn man jung ist, will man ja auch weiterkommen. Das wird schwierig, wenn die Kollegen oben keinen Platz machen. Irgendwann muss leider auch mal Schluss sein.

Gerade ist ja der Posten der DFB-Präsidentschaft frei. Es wird heiß über die Nachfolge von Fritz Keller spekuliert. Was muss der neue Präsident/die neue Präsidentin mitbringen, um den DFB wieder zu stabilisieren?

Er oder sie braucht Leidenschaft für den Fußball und sollte auch irgendwie mit ihm zu tun haben. Zudem braucht es wirklich Transparenz in dem Umbauprozess, der zweifelsohne dringend notwendig ist.

Zum Ende noch dein ganz persönlicher Blick auf die EM. Wie geht sie aus und wo landet Deutschland?

Ob Jogi die Jungs nochmal motivieren kann… (überlegt) Ich glaube, maximal Viertelfinale wird es werden. Gewinnen wird das Frankreich oder Portugal, die haben bärenstarke Teams.

Bitte beende den folgenden Satz: Schiedsrichter sein heißt für mich…

Persönlichkeitsentwicklung und Freunde gewinnen. Und natürlich auch nach dem Spiel mit den Mannschaften etwas plaudern, das gehört dazu. (schmunzelt)