Behind the Scenes: Einblick in eine Bezirksligaprüfung

Du hast Dich schonmal gefragt, wie so eine Verbandsprüfung bei den Schiedsrichter:innen abläuft? Unser Kollege Louis Wegmann gibt einen Einblick.

Schiedsrichter fallen auf dem Platz bestenfalls durch Unauffälligkeit auf. Wenn in den Medien mal etwas über die Unparteiischen steht, dann hat das häufig - unabhängig von Profi- oder Amateurfußball - mit kritischen Entscheidungen zu tun. Und da Fußballer und Zuschauer häufig nicht das nötige Regelwissen haben, um komplexe Spielsituationen korrekt zu bewerten, geraten Schiedsrichter (medial) oft in die Kritik. Natürlich muss der Referee seine Entscheidungen auf dem Platz auch gut verkaufen können; Regelsicherheit und eine gewisse Sportlichkeit sind jedoch das Fundament für eine gelungene Spielleitung im überkreislichen Fußball - und dieses Fundament wurde beim Bezirksliga-Lehrgang nun überprüft. 

Es folgt ein kleiner Erfahrungsbericht. 

08:16: Der Wecker klingelt. In einer halben Stunde werde ich von meinem Kollegen abgeholt, dann beginnt die kleine Tour Richtung Kaiserau bei Kamen. Hier soll am frühen Samstagvormittag die Bezirksliga-Prüfung für uns Steinfurter Referees erfolgen, bei der sowohl ein Regeltest, als auch eine Laufprüfung anstehen. Die Sporttasche wurde schon am Vorabend gepackt, sodass am Morgen keine unnötige Hektik mehr aufkommt. Ausgeruht und einigermaßen fit (am Abend zuvor war ich noch als Schiedsrichter im Einsatz) geht die Überfahrt um kurz vor 9 Uhr dann los. 

10:10: Angekommen im DFB-Stützpunkt an der Sportschule Kaiserau treffen wir unsere Kollegen. Einige sind schon da, andere kommen kurz nach uns. Eine gute Nachricht erreicht uns direkt bei der Ankunft: Die Laufprüfung wird auf der Tartanbahn abgenommen und nicht auf Rasen, wie einige befürchtet hatten. Im Foyer der Sportschule treffen wir dann auf die anderen Schiedsrichter aus den Nachbarkreisen, die mit uns gemeinsam die Prüfung machen. Die Jogginganzug-Dichte im Raum beträgt geschätzte 90 Prozent – nur so am Rande. Es wird sich munter ausgetauscht, bis wir endlich in einen der Schulungsräume gelassen werden, in dem drei Verbandsprüfer schon auf uns warten. 

10:30: Die Regelbögen mit je dreißig Fragen werden ausgehändigt. Wie in der Schule gibt es A- und B-Bögen - eigentlich relativ unnötig, denn die Fragen sind die gleichen und gespickt wird sowieso nicht. Es herrscht größtenteils konzentrierte Klausur-Stimmung im Saal. Nach 15 Minuten geben die ersten von etwa 40 Teilnehmenden ab. Eingeschoben mal eine kleine Regelfrage für Sie als Leser, die so in der Prüfung vorkam: Während des laufenden Spiels läuft ein Auswechselspieler unerlaubt auf das Spielfeld zum im Strafraum stehenden Schiedsrichter und reklamiert heftig, ohne ihn aber zu beleidigen. Wie reagiert der Unparteiische? Die korrekte Antwort: Indirekter Freistoß; “Gelb” - “Gelb-Rot”. Der Großteil hat es gewusst. 

11:00: Während die Prüfer bereits fleißig korrigieren, werden wir alle in Richtung Sportplatz gebeten, wo uns drei weitere Prüfer vom Verband empfangen. Jeder hatte vor dem Regeltest ein Leibchen mit einer Nummer bekommen, welches er oder sie jetzt anzieht. Nach einem kurzen Anschwitzen auf dem Rasen geht der Spaß dann los. Gefordert sind sechs 40-Meter-Sprints in je sieben Sekunden. Mithilfe einer Lichtschranke wird die Zeit dann auf den Sekundenbruchteil genau abgenommen – alles höchst professionell. Als dieser Teil der Laufprüfung geschlossen bestanden ist, steht schließlich noch der allgemein bekannte und von einigen gefürchtete Helsen-Test an. 28 75-Meter-Intervalle müssen in je 20 Sekunden gelaufen werden. Zwar ist es nicht allzu warm, die Sonne, die die blaue Tartanbahn erhitzt, lässt die Luft auf der Bahn allerdings ordentlich dünn werden. Gemeinschaftlich schafft es unsere zwölfköpfige Laufgruppe ins Ziel – auch dank motivierender Rufe von denjenigen, denen die klimatischen Verhältnisse nicht so sehr zu schaffen machen. 

12:00: Beide Teile sind nun vorbei – es bleiben nur noch die Ergebnisse vom Regeltest aus. Bevor wir uns diese jedoch abholen, muss natürlich noch der obligatorische bildliche Daseins-Beweis geknipst werden (s. Foto). Die Ergebnisse des Regeltests können sich sehen lassen: Wir Emsdettener Schiris, Tim Fauseweh (Borussia), Anna Schulte und ich, Louis Wegmann, (beide Fortuna) haben den Lehrgang bestanden und dürfen in der kommenden Saison in der Herren-Bezirksliga Spiele leiten. Zufrieden mit dem Ergebnis fahren wir gen Heimat. 

Ein ereignisreicher wie spannender Vormittag neigt sich dem Ende. Jetzt geht es zurück in den Alltag, denn die allermeisten, inklusive Tim, Anna und mir, stehen am nächsten Tag schon wieder auf diversen Fußballplätzen in der Region.